6 Schritte beim Anpassen von Kontaktlinsen
Eine Kontaktlinse liegt direkt auf der Hornhaut und schwimmt auf dem Tränenfilm. Sie nimmt dem Auge etwas Sauerstoff. Deshalb ist die Anpassung mehr als das Ablesen einer Stärke. Die Leitlinie der Augenärzte nennt dafür feste Schritte.
Gespräch
Sie sagen, wofür Sie die Linsen brauchen und wie lange Sie sie tragen wollen. Krankheiten wie Diabetes, Allergien, Medikamente und frühere Operationen gehören dazu.
Messung
Sehstärke, Krümmung der Hornhaut und Tränenfilm werden gemessen. Ihre Brillenwerte lassen sich nicht einfach übernehmen.
Probelinse
Sie bekommen eine Probelinse. Der Optiker prüft Sitz und Bewegung und misst die Stärke über der Linse nach.
Einweisung
Sie üben Einsetzen, Herausnehmen und Reinigen, bis es sicher klappt.
Probetragen
Sie tragen die Linsen zwei bis drei Wochen im Alltag, steigern die Tragezeit langsam und notieren Beschwerden.
Erste Kontrolle
Nach ein bis zwei Wochen prüft der Optiker Sitz, Sehschärfe und den Zustand des Auges. Danach steht fest, ob die Linse bleibt.
Beim Material ist die Leitlinie deutlich. Zuerst kommen harte Linsen mit viel Sauerstoffdurchlässigkeit, außer bei Wassersport und seltenem Tragen. Warum das so ist, erklärt der Ratgeber harte oder weiche Kontaktlinsen.
Wie oft Sie mit Kontaktlinsen zur Kontrolle sollten
Kontaktlinsen verändern das Auge langsam, und das tut anfangs nicht weh. Ein Mangel an Sauerstoff etwa macht sich oft erst spät bemerkbar. Deshalb gibt es feste Kontrollen, auch wenn nichts drückt.
Die Empfehlungen reichen von alle 6 Monate bis einmal im Jahr. Nach der ersten Anpassung kommt nach der Leitlinie eine Kontrolle nach 2 bis 3 Monaten dazu, beim Kuratorium Gutes Sehen schon nach 1 bis 2 Wochen.
| Quelle | Nach der ersten Anpassung | Danach |
|---|---|---|
| Leitlinie der Augenärzte, 2012 | bei der Abgabe und 2 bis 3 Monate später | alle 6 Monate, mindestens einmal im Jahr |
| Berufsverband der Augenärzte, 2026 | keine eigene Angabe | weiche Linsen alle 6 Monate, harte einmal im Jahr |
| Kuratorium Gutes Sehen, 2024 | nach 1 bis 2 Wochen | alle 6 bis 12 Monate |
Bei der Kontrolle schaut der Optiker nicht nur auf die Linse. Er fragt nach Beschwerden, misst die Sehstärke mit der Linse, prüft den Sitz und untersucht das Auge mit dem Mikroskop. Am Ende erinnert er Sie an die Pflege.
Wie hoch das Risiko einer Augenentzündung durch Kontaktlinsen ist
Eine Übersichtsarbeit der Uni-Augenklinik Freiburg im Deutschen Ärzteblatt von 2022 nennt die wichtigste Zahl. Im Jahr bekommen etwa 2 bis 4 von 10.000 Trägern eine Entzündung der Hornhaut, meist durch Bakterien. Bei 0,6 von 10.000 Trägern sehen sie danach dauerhaft schlechter.
Das Risiko ist also klein, aber es hängt stark davon ab, was Sie tun. Die Risiken reichen vom 3-Fachen beim Rauchen bis zum 15-Fachen beim Tragen über Nacht. Schwimmen mit Linsen erhöht das Risiko auf das 5-Fache, der Kauf im Internet auf das 4,8-Fache.
| Risiko | Wie viel höher | Was Sie tun |
|---|---|---|
| Zu lange oder über Nacht tragen | 3,4- bis 15-fach | Tragezeit einhalten, nachts herausnehmen |
| Wenig Hygiene, Kontakt mit Wasser | 3,6- bis 11-fach | Hände waschen und abtrocknen |
| Schwimmen mit Linsen | 5-fach | Schwimmbrille tragen oder Linsen weglassen |
| Kauf im Internet | 4,8-fach | beim angepassten Produkt bleiben |
| Wenig Erfahrung mit Linsen | 4,4-fach | Kontrollen in den ersten Monaten wahrnehmen |
| Rauchen | 3- bis 5,2-fach | ein oft übersehener Grund |
Wie weit der Alltag von den Regeln abweicht, zeigt eine Umfrage unter knapp 1.000 Trägern. 85 Prozent duschten mit Linsen, 61 Prozent schwammen damit, und 50 Prozent ließen sie manchmal über Nacht im Auge. Nur ein Prozent hielt sich an alle Regeln.
Hygieneregeln für Kontaktlinsen
Gefährlich wird vor allem Wasser. Darin leben winzige Einzeller, die Akanthamöben, die eine schwer behandelbare Entzündung der Hornhaut auslösen können. Laut Robert Koch-Institut gelangen sie meist über verschmutzte Linsenbehälter und Pflegemittel ins Auge. Mit strenger Hygiene lässt sich das fast immer vermeiden.
- Waschen Sie die Hände und trocknen Sie sie mit einem fusselfreien Tuch ab, bevor Sie die Linse anfassen.
- Reinigen Sie den Behälter jeden Tag und lassen Sie ihn an der Luft trocknen.
- Tauschen Sie den Behälter alle drei bis sechs Monate aus.
- Nehmen Sie jeden Tag frische Lösung und füllen Sie alte nie auf.
- Nehmen Sie nie Leitungswasser oder selbst gemachte Kochsalzlösung.
- Lassen Sie beim Schwimmen kein Wasser ins Auge, oder nehmen Sie Tageslinsen.
- Mischen Sie verschiedene Pflegemittel nicht.
Das Robert Koch-Institut empfiehlt außerdem Pflegemittel, die in mehreren Schritten reinigen, statt einer einzigen Kombilösung. Der Grund: Die Norm für Pflegemittel prüft nicht, ob sie gegen Amöben wirken.
Wann die Krankenkasse Kontaktlinsen bezahlt
Die Krankenkasse zahlt Kontaktlinsen nur, wenn sie medizinisch zwingend nötig sind. Wählen Sie Linsen statt einer Brille, auf die Sie Anspruch haben, bekommen Sie höchstens den Betrag für die Brille. Pflegemittel zahlt die Kasse nie.
Welche Fälle das sind, legen die Regeln der Krankenkassen fest. Bei Kurz- und Weitsichtigkeit liegt die Grenze bei 8 Dioptrien. Bei einer Hornhautverkrümmung sind es 3 Dioptrien, bei schräger Lage 2 Dioptrien. Brauchen beide Augen Gläser, die sich um 2 Dioptrien oder mehr unterscheiden, zahlt die Kasse ebenfalls. Bei einer kegelförmig vorgewölbten Hornhaut gibt es keine Grenze.
| Fall | Ab wann |
|---|---|
| Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit | ab 8 Dioptrien |
| Hornhautverkrümmung, gerade Lage | ab 3 Dioptrien |
| Hornhautverkrümmung, schräge Lage | ab 2 Dioptrien |
| Unterschied zwischen beiden Augen | ab 2 Dioptrien |
| Kegelförmig vorgewölbte Hornhaut | ohne Grenze |
Nicht bezahlt werden Tageslinsen, Linsen für Nähe und Ferne zugleich, farbige Linsen und Pflegemittel. Weiche Linsen gibt es nur, wenn harte nicht vertragen wurden. Für die erste Versorgung brauchen Sie ein Rezept von der Augenärztin.
Kontaktlinsen nachkaufen im Internet
Kontaktlinsen dürfen in Deutschland frei verkauft werden, auch im Internet und ohne Anpassung. Rechtlich sind sie Medizinprodukte. Wer sie verkauft, muss bei Bedarf fachlich beraten können.
Für den Nachkauf gilt eine einfache Regel. Bleiben Sie bei genau dem Produkt, das angepasst wurde. Linsen verschiedener Hersteller sitzen trotz gleicher Werte unterschiedlich. Ein Wechsel ist deshalb eine neue Anpassung.
Häufige Fragen
Wie läuft die Anpassung von Kontaktlinsen ab?
Die Anpassung von Kontaktlinsen beginnt mit einem Gespräch über Ihre Gesundheit, gefolgt von der Messung von Sehstärke, Hornhaut und Tränenfilm. Dann setzt der Optiker Probelinsen ein und zeigt Ihnen die Pflege. Nach dem Probetragen folgt die erste Kontrolle.
Wie oft muss ich mit Kontaktlinsen zur Kontrolle?
Mit weichen Kontaktlinsen sollten Sie alle sechs Monate zur Kontrolle, mit harten einmal im Jahr. So empfiehlt es der Berufsverband der Augenärzte. Bei Rötung oder Schmerzen gehen Sie sofort zur Augenärztin.
Wie hoch ist das Infektionsrisiko durch Kontaktlinsen?
Etwa 2 bis 4 von 10.000 Kontaktlinsenträgern bekommen im Jahr eine Entzündung der Hornhaut. Das Risiko steigt stark, wenn Sie die Linsen über Nacht tragen, mit ihnen schwimmen oder sie nicht sauber halten.
Darf ich mit Kontaktlinsen schwimmen oder duschen?
Mit Kontaktlinsen sollten Sie nicht schwimmen und möglichst nicht duschen. Wasser kann Keime ins Auge bringen, die eine schwere Entzündung auslösen. Tragen Sie beim Schwimmen eine Schwimmbrille oder nehmen Sie Tageslinsen.
Zahlt die Krankenkasse Kontaktlinsen?
Die Krankenkasse zahlt Kontaktlinsen nur in wenigen Fällen, etwa ab 8 Dioptrien Kurz- oder Weitsichtigkeit oder bei einer kegelförmig vorgewölbten Hornhaut. Tageslinsen, Linsen für Nähe und Ferne zugleich und Pflegemittel zahlt sie nie.
