Was 100 Prozent Sehschärfe bedeuten
Die Sehschärfe gibt an, wie kleine Zeichen Sie gerade noch erkennen. Gemessen wird sie mit genormten Zeichen, meist Ringen mit einer Lücke, deren Richtung Sie nennen. Auf augenärztlichen Befunden heißt sie oft Visus. Notiert wird sie als Dezimalzahl, zum Beispiel 0,63 oder 1,0.
Den Prozentwert bekommen Sie, wenn Sie die Dezimalzahl mal 100 nehmen. Aus 1,0 werden 100 Prozent, aus 0,5 werden 50 Prozent. Das ist reine Umrechnung und keine eigene Messung. Für Gutachten schreiben die Augenärzte deshalb die Dezimalzahl, nicht den Prozentwert.
Die 100 Prozent sind auch kein Höchstwert. Sie markieren nur, was ein Mensch mit normalen Augen unter genormten Bedingungen erkennt. Wie viel Sehkraft Ihnen fehlt, sagt der Wert nicht.
Warum Sie mehr als 100 Prozent sehen können
Viele Menschen sehen schärfer als der Bezugswert. Die Sehschärfeprüfung reicht deshalb mindestens bis 1,25, also 125 Prozent. Für besondere Fälle geht die Skala bis 2,0. Ein Wert über 100 Prozent ist nichts Ungewöhnliches.
Nach unten reicht die Prüfung bis 0,05, also 5 Prozent. So lässt sich auch eine starke Sehbehinderung noch messen.
Warum die Stufen der Sehschärfe ungleich wirken
Beim allgemeinen Sehtest stehen die Stufen nicht in gleichen Abständen. Sie reichen von 0,2 bis 1,0, also von 20 bis 100 Prozent. Dazwischen liegen 0,32, 0,4, 0,5, 0,63 und 0,8. Ab 0,32 ist jede Stufe etwa ein Viertel größer als die vorige.
| Sehschärfe | In Prozent | Schritt zur Stufe davor |
|---|---|---|
| 0,2 | 20 Prozent | Anfang der Skala |
| 0,32 | 32 Prozent | etwa das 1,6-Fache |
| 0,4 | 40 Prozent | etwa das 1,25-Fache |
| 0,5 | 50 Prozent | etwa das 1,25-Fache |
| 0,63 | 63 Prozent | etwa das 1,25-Fache |
| 0,8 | 80 Prozent | etwa das 1,25-Fache |
| 1,0 | 100 Prozent | etwa das 1,25-Fache |
Der Sprung von 0,8 auf 1,0 ist deshalb ein Schritt auf der Skala, genauso wie der Sprung von 0,4 auf 0,5. In Prozentpunkten sieht der erste doppelt so groß aus. Für Ihr Auge sind beide ungefähr gleich groß, weil wir Unterschiede beim Sehen im Verhältnis wahrnehmen. Ziehen Sie deshalb nicht einfach zwei Prozentwerte voneinander ab, um eine Verschlechterung zu beziffern.
Warum sich Dioptrien nicht in Prozent umrechnen lassen
Dioptrien und Sehschärfe messen zwei verschiedene Dinge. Die Dioptrie gibt an, wie stark ein Glas sein muss, damit Sie scharf sehen. Die Sehschärfe gibt an, wie gut Sie mit oder ohne dieses Glas tatsächlich sehen. Wie Sie die Dioptrien auf Ihrem Pass lesen, erklärt der Ratgeber zum Brillenpass mit Sphäre, Zylinder und Achse.
| Dioptrie | Sehschärfe | |
|---|---|---|
| Was sie angibt | wie stark das Glas sein muss | wie kleine Zeichen Sie erkennen |
| Wie sie notiert wird | Zahl mit Plus oder Minus | Dezimalzahl wie 0,8 oder 1,0 |
| Wovon sie abhängt | Form von Hornhaut, Linse und Auge | dazu Netzhaut, Sehnerv, Gehirn, Licht und Kontrast |
| Wo sie steht | auf dem Brillenpass | auf dem Befund des Optikers oder der Augenärztin |
Die Sehschärfe hängt nicht nur vom Glas ab. Auch diese Dinge spielen mit:
- Die Netzhaut muss das Licht in Nervensignale umwandeln, egal wie gut das Glas ist.
- Der Sehnerv leitet die Signale weiter. Ist er krank, sehen Sie schlechter, obwohl die Dioptrien gleich bleiben.
- Das Gehirn verarbeitet, was beide Augen sehen. Ein schwaches Auge, das in der Kindheit nicht behandelt wurde, holt ein Glas später nicht mehr auf.
- Pupille, Kontrast und Licht verändern das Ergebnis von Termin zu Termin.
Deshalb kann ein stark kurzsichtiger Mensch mit passender Brille genauso gut sehen wie ein leicht kurzsichtiger. Umgekehrt kann jemand mit schwacher Brille schlechter sehen, wenn eine andere Ursache dazukommt. Eine Formel von Dioptrien zu Prozent gibt es nicht.
Wo die Sehschärfe beim Führerschein zählt
Beim Sehtest für den Führerschein der Klasse B müssen Sie mit oder ohne Brille mindestens 0,7 erreichen, also 70 Prozent. Bestehen Sie ihn nicht, prüft eine Augenärztin genauer. Dann reichen 0,5 auf dem besseren Auge oder mit beiden Augen zusammen, also 50 Prozent.
Auch bei der Einstufung einer Sehbehinderung spielt die Sehschärfe eine Rolle. Das ist eine eigene Rechtsfrage. Für die Messung gilt aber dieselbe Regel: Gemessen wird die Dezimalzahl, der Prozentwert kommt erst danach.
Was ein niedriger Sehschärfe-Wert für Sie bedeutet
Ein einzelner Wert sagt wenig, wenn Sie nicht wissen, wie er entstanden ist. Fragen Sie deshalb nach, statt nur die Zahl zu notieren.
- Fragen Sie, ob der Wert für das rechte Auge, das linke Auge oder beide Augen zusammen gilt.
- Klären Sie, ob mit oder ohne Brille gemessen wurde. Auf Befunden steht dafür oft cc für mit Brille und sc für ohne.
- Notieren Sie das Datum, damit Sie spätere Werte vergleichen können.
- Vergleichen Sie nur Werte, die unter denselben Bedingungen gemessen wurden.
Wurde der Wert ohne Ihre Brille gemessen?
Das ist normal, wenn Sie eine Brille brauchen. Entscheidend ist der Wert mit der besten Brille.
Ist der Wert mit Brille seit der letzten Messung gesunken?
Lassen Sie das bei der Augenärztin abklären. Dahinter kann mehr stecken als eine falsche Brille.
Ein lange gleicher, niedriger Wert ist meist bekannt. Neue Fragen besprechen Sie mit Ihrer Augenarztpraxis.
Häufige Fragen
Was bedeutet eine Sehschärfe von 100 Prozent?
Eine Sehschärfe von 100 Prozent entspricht dem Wert 1,0. Sie erkennen dann unter genormten Bedingungen so kleine Zeichen wie ein Mensch mit normalen Augen. Ein Höchstwert ist das nicht, viele Menschen sehen besser.
Kann die Sehschärfe über 100 Prozent liegen?
Ja, die Sehschärfe kann über 100 Prozent liegen. Die Prüfung reicht mindestens bis 1,25, also 125 Prozent, und für besondere Fälle bis 2,0. Wer schärfer sieht als der Bezugswert, bekommt einen Wert über 100 Prozent.
Wie rechne ich Dioptrien in Sehschärfe in Prozent um?
Dioptrien lassen sich nicht in Sehschärfe in Prozent umrechnen. Die Dioptrie gibt die Stärke des Glases an, die Sehschärfe, wie gut Sie damit sehen. Netzhaut, Sehnerv, Gehirn und Licht beeinflussen die Sehschärfe zusätzlich, deshalb gibt es keine Formel.
Warum schreiben Augenärzte die Sehschärfe nicht in Prozent?
Augenärzte schreiben die Sehschärfe als Dezimalzahl, etwa 0,63, weil ihre Fachgesellschaft das für Gutachten so vorgibt. Prozent ist nur eine Umrechnung für den Alltag, die Zahl mal 100.
Welche Sehschärfe brauche ich für den Führerschein?
Für den Führerschein der Klasse B brauchen Sie beim Sehtest mit oder ohne Brille mindestens 0,7, also 70 Prozent. Bestehen Sie den Test nicht, reicht nach einer augenärztlichen Prüfung 0,5 auf dem besseren Auge oder beidäugig.
