Ab etwa 45 wird das Lesen ohne Brille schwer
Alterssichtigkeit ist keine Krankheit, sondern eine Alterung der Linse im Auge. Um nahe Dinge scharf zu sehen, wölbt sich die Linse stärker. Mit den Jahren wird sie steifer und schafft das immer weniger. Mit 45 Jahren sehen viele Menschen auf etwa 33 Zentimeter gerade noch scharf. Deshalb halten sie Zeitung und Handy weiter weg.
Das zeigt sich auch in Zahlen. Von den 30- bis 44-Jährigen tragen 40 Prozent eine Brille, von den 45- bis 59-Jährigen 72 Prozent und ab 60 Jahren 90 Prozent. Das ergab die Brillenstudie des Instituts Allensbach von 2024.
Wie stark die Lesebrille sein muss
Die Stärke der Lesebrille steht auf dem Brillenpass als Addition, kurz ADD. Sie beginnt bei etwa plus 0,75 Dioptrien und steigt mit den Jahren bis etwa plus 2,5. Wie hoch sie ausfällt, hängt aber auch davon ab, wie weit weg Sie lesen.
Eine Faustformel aus der Augenoptik zeigt das. Wer in der Ferne gut sieht, braucht mit 45 Jahren für ein Buch in 33 Zentimetern etwa plus 1,00 Dioptrien, mit 65 Jahren etwa plus 2,75. Für Unterlagen in 40 Zentimetern sind es plus 0,50 und plus 2,25. Für den Bildschirm in 60 Zentimetern braucht man mit 45 noch keinen Zuschlag, mit 65 aber plus 1,50.
| Abstand | Wofür | Mit 45 Jahren | Mit 65 Jahren |
|---|---|---|---|
| 33 Zentimeter | Buch, Zeitung, Beipackzettel | plus 1,00 Dioptrien | plus 2,75 Dioptrien |
| 40 Zentimeter | Unterlagen am Schreibtisch, Handarbeit | plus 0,50 Dioptrien | plus 2,25 Dioptrien |
| 60 Zentimeter | Bildschirm | kein Zuschlag nötig | plus 1,50 Dioptrien |
Daraus folgt: Eine Lesebrille macht nur einen schmalen Abstand scharf, und der wird mit den Jahren enger. Mit 65 Jahren stellt eine Brille mit plus 2,75 nur noch zwischen etwa 31 und 36 Zentimetern scharf. Sagen Sie beim Sehtest deshalb, in welchem Abstand Sie lesen.
Eine Lesebrille aus der Drogerie passt nur unter 4 Bedingungen
Fertige Lesebrillen haben zwei gleich starke Gläser zwischen plus 1,00 und plus 3,50 Dioptrien. Die Norm für solche Brillen sagt ausdrücklich, dass sie ohne Rat einer Fachkraft nicht für den täglichen Gebrauch gedacht sind. Trotzdem besitzen 19 Prozent der Menschen ab 16 Jahren eine, ab 60 Jahren jeder Dritte. Als Ersatzbrille kann sie gehen, wenn vier Bedingungen stimmen.
- Beide Augen brauchen dieselbe Stärke. Das trifft nach Schätzung der Stiftung Warentest nur auf etwa jeden zehnten Brillenträger zu.
- Sie haben keine nennenswerte Hornhautverkrümmung, denn eine fertige Brille gleicht sie nicht aus.
- Sie sehen in der Ferne ohne Brille scharf.
- Ihr Pupillenabstand passt ungefähr zu dem Wert, der auf der Brille steht.
Eine fertige Lesebrille gab es im Test der Stiftung Warentest von 2004 schon für 2 Euro. Eine Lesebrille vom Optiker beginnt nach dem Kuratorium Gutes Sehen bei etwa 20 Euro.
| Merkmal | Fertige Lesebrille | Lesebrille vom Optiker |
|---|---|---|
| Stärke | beide Gläser gleich, plus 1,00 bis plus 3,50 | für jedes Auge einzeln |
| Hornhautverkrümmung | wird nicht ausgeglichen | wird ausgeglichen |
| Sitz der Gläser | fester Wert des Herstellers | nach Ihrem Pupillenabstand |
| Gedacht für | gelegentlich, nicht am Steuer | täglich, auch über Stunden |
| Preis | im Test 2004 ab 2 Euro | ab etwa 20 Euro |
Wann die Gleitsichtbrille besser ist als die Lesebrille
Mit einer Lesebrille müssen Sie für den Blick in die Ferne die Brille absetzen oder über den Rand schauen. Wer ohnehin eine Brille für die Ferne trägt, wechselt dann ständig zwischen zwei Brillen. Eine Gleitsichtbrille verbindet Ferne, mittlere Entfernung und Nähe in einem Glas. Kurzsichtige, die alterssichtig werden, greifen deshalb oft zu ihr.
Die erste Gleitsichtbrille braucht eine Eingewöhnung und einen genauen Sitz. Was sie kostet und wie Sie sich daran gewöhnen, steht im Ratgeber zur Gleitsichtbrille und ihren Kosten.
Sehen Sie in der Ferne ohne Brille scharf, auch beim Autofahren?
Sind beide Augen gleich stark, ohne Hornhautverkrümmung?
Dann reicht für gelegentliches Lesen eine fertige Lesebrille. Für täglich passt eine Lesebrille vom Optiker besser.
Dann brauchen Sie eine Lesebrille vom Optiker. Eine fertige gleicht ungleiche Augen nicht aus.
Dann ist eine Gleitsichtbrille meist die bessere Wahl. Wer das volle Sehfeld will, nimmt zwei Brillen.
Nahkomfortgläser für Schreibtisch und Bildschirm
Zwischen Lesebrille und Gleitsichtbrille gibt es eine dritte Art. Nahkomfortgläser haben unten die volle Lesestärke und werden nach oben schwächer. Eine Stärke für die Ferne haben sie nicht. Sie machen etwa 40 Zentimeter bis 1 Meter scharf und eignen sich für den Schreibtisch, nicht für die Straße.
Sie lohnen sich vor allem ab etwa 55 Jahren, weil der scharfe Bereich der Lesebrille dann schmal wird. Eine Gleitsichtbrille muss dagegen alle Entfernungen abdecken, und am Monitor bleibt oft wenig nutzbare Fläche. Auch multifokale Kontaktlinsen sind ein Weg.
- Lesebrille: klares Sehfeld in einem Abstand, zum Aufblicken absetzen.
- Nahkomfortglas: Nähe und Mitte bis etwa 1 Meter, für den Schreibtisch.
- Gleitsichtglas: alle Entfernungen, dafür schmalere Bereiche und unscharfe Ränder.
- Kontaktlinsen für die Ferne mit Lesebrille: freier Blick in die Ferne, zum Lesen die Brille.
In 5 Schritten zur passenden Lesebrille
Den Zuschlag fürs Lesen misst der Optiker oder die Augenärztin. Sie können den Termin so vorbereiten, dass die Brille zu Ihrem Alltag passt.
- Messen Sie Ihre üblichen Abstände zu Buch, Handy, Bildschirm, Notenpult oder Werkbank.
- Nehmen Sie Ihre bisherige Brille und eine vorhandene fertige Lesebrille mit.
- Lassen Sie beide Augen getrennt messen, mit Zylinder und Achse.
- Entscheiden Sie mit den Werten. Gleiche Augen ohne Brille für die Ferne erlauben eine Lesebrille, sonst passt eher eine Gleitsichtbrille oder zwei Brillen.
- Lassen Sie sich den Brillenpass mit der Addition geben, dann können Sie später eine Ersatzbrille bestellen.
Häufige Fragen
Wann reicht eine Lesebrille statt einer Gleitsichtbrille?
Eine Lesebrille reicht, wenn Sie in der Ferne ohne Brille scharf sehen. Brauchen Sie auch für die Ferne eine Brille, wechseln Sie mit einer Lesebrille ständig. Dann ist eine Gleitsichtbrille oder ein zweites Paar meist besser.
Ist eine Lesebrille aus der Drogerie schlecht für die Augen?
Eine Lesebrille aus der Drogerie schadet den Augen nicht dauerhaft. Sie passt aber nur, wenn beide Augen gleich stark sind und keine Hornhautverkrümmung besteht. Sonst kann sie Kopfschmerzen und gerötete Augen auslösen.
Welche Stärke braucht meine erste Lesebrille?
Die erste Lesebrille hat meist etwa plus 0,75 bis plus 1,00 Dioptrien. Die genaue Stärke hängt von Ihrem Alter und Ihrem Leseabstand ab und wird beim Sehtest gemessen.
Was sind Nahkomfortgläser?
Nahkomfortgläser sind Brillengläser für Nähe und mittlere Entfernung, etwa 40 Zentimeter bis 1 Meter. Sie eignen sich für Schreibtisch und Bildschirm, aber nicht für die Ferne und nicht zum Autofahren.
