Mit der Gleitsichtbrille am Bildschirm heben Sie den Kopf
Eine normale Gleitsichtbrille ist für den ganzen Tag gemacht, oben für die Ferne, unten fürs Buch und dazwischen mit einem schmalen Übergang. Die gesetzliche Unfallversicherung beschreibt, was daraus am Schreibtisch folgt. Der Bildschirm liegt im schmalen mittleren Bereich, tief im Glas. Um ihn scharf zu sehen, legen Sie den Kopf in den Nacken. Das kann Schultern und Nacken belasten.
Eine Studie aus Dortmund hat das gemessen. Von 175 Beschäftigten ab 35 Jahren hoben die Träger normaler Gleitsichtgläser den Kopf am Monitor um etwa sieben Grad stärker als die mit Einstärkengläsern. Zwei der Forscher arbeiteten für einen Hersteller von Brillengläsern.
Die Regeln für Büroarbeitsplätze nennen 50 bis 65 Zentimeter als Abstand zum Bildschirm, weniger als 50 sollen es nicht sein. Der Blick soll leicht nach unten gehen. Eine Brille, die genau in diesem Abstand und in dieser Richtung scharf ist, erspart das Heben des Kopfes.
Welche Gläser für die Bildschirmbrille passen
Entscheidend ist, wie gut Ihre Augen noch selbst auf die Nähe scharf stellen. Das lässt bis etwa 60 deutlich nach. Ein einfacher Test der Unfallversicherung zeigt, wo Sie stehen. Führen Sie einen Text langsam an die Augen heran, bis er unscharf wird. Liegt dieser Punkt bei 40 Zentimetern, stellen Ihre Augen noch um 2,5 Dioptrien scharf. Liegt er bei 1 Meter, nur noch um 1.
| Wie gut die Augen scharf stellen | Was Sie merken | Passende Gläser |
|---|---|---|
| mehr als 5 Dioptrien | Sie sehen in allen Abständen scharf | meist keine eigenen Gläser nötig |
| etwa 3 bis 5 Dioptrien | erste leichte Probleme in der Nähe | Einstärkengläser, manchmal Zweistärkengläser |
| etwa 1 bis 3 Dioptrien | Bildschirm und Papier unscharf | Bildschirm-Gleitsichtgläser mit großem mittleren Bereich |
| unter 1 Dioptrie | kein Scharfstellen mehr möglich | eigens berechnete Bildschirmbrille oder mehrere Brillen |
Zwischen Bildschirm in 70 bis 100 Zentimetern und Papier in 30 bis 40 Zentimetern liegt ein Sprung von etwa 1,5 Dioptrien. Solange Ihre Augen das schaffen, reicht ein Glas für den Bildschirm. Danach brauchen Sie Gläser mit mehreren Stärken oder zwei Brillen.
Wie weit Bildschirm-Gleitsichtgläser in den Raum reichen
Bildschirm-Gleitsichtgläser haben unten die volle Lesestärke und werden nach oben schwächer. Um wie viel, gibt der Hersteller in Dioptrien an. Je mehr sie oben nachlassen, desto weiter sehen Sie in den Raum, etwa zu Kollegen oder zur Tür.
Für jemanden mit plus 2,00 Zuschlag fürs Lesen zeigt die Rechnung, was das heißt. Lassen die Gläser oben um 0,75 Dioptrien nach, sehen Sie bis etwa 80 Zentimeter scharf, bei 1,00 bis 1 Meter. Bei 1,50 sind es 2 Meter, bei 1,75 schon 4 Meter.
| Nachlass nach oben | Stärke oben | Scharf bis etwa |
|---|---|---|
| 0,75 Dioptrien | plus 1,25 Dioptrien | 80 Zentimeter |
| 1,00 Dioptrie | plus 1,00 Dioptrie | 1 Meter |
| 1,25 Dioptrien | plus 0,75 Dioptrien | 1,3 Meter |
| 1,50 Dioptrien | plus 0,50 Dioptrien | 2 Meter |
| 1,75 Dioptrien | plus 0,25 Dioptrien | 4 Meter |
Mehr Raum ist nicht automatisch besser. Eine Studie aus Norwegen verglich 2004 verschiedene Bildschirmgläser über ein Jahr. Gläser, die bis etwa 2 Meter reichten, schnitten bei Zufriedenheit und scharfem Sehfeld besser ab als ein Glas, das mehr Raum abdecken wollte.
Was Bildschirmgläser gegen Nackenschmerzen bringen
Studien zeigen vor allem besseres Sehen am Monitor, bei Nackenbeschwerden ist der Unterschied klein. In einer Studie aus Dortmund trugen 23 Büroangestellte je zwei Wochen normale und Bildschirm-Gleitsichtgläser, ohne zu wissen, welche. Mit den Bildschirmgläsern neigten sie den Kopf um 2,3 Grad weniger und sahen am Monitor besser, in der Ferne schlechter.
Eine Studie aus Gent mit 35 Beschäftigten mit Nackenbeschwerden kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Mit beiden Glasarten gingen Augenermüdung und Nackenschmerzen zurück, der Unterschied zwischen den Gläsern war klein. Die Gruppe mit Bildschirmgläsern fand ihre Gläser aber besser für die Arbeit am Monitor. Eine Bildschirmbrille löst also ein Sehproblem, sie ist kein Mittel gegen Nackenschmerzen.
Sehen Sie Bildschirm und Papier mit Ihrer Alltagsbrille dauerhaft scharf?
Dann brauchen Sie keine eigene Bildschirmbrille. Prüfen Sie bei Beschwerden zuerst Monitorhöhe, Abstand und Licht.
Tragen Sie eine Gleitsichtbrille und legen am Monitor den Kopf in den Nacken?
Dann sind Bildschirm-Gleitsichtgläser die typische Lösung. Vorher werden Ihre Abstände am Arbeitsplatz gemessen.
Arbeiten Sie fast nur am Monitor, reichen Einstärkengläser für diesen Abstand. Wechselt Ihr Blick oft, passen Gläser mit mehreren Stärken.
In 6 Schritten zur passenden Bildschirmbrille
Eine Bildschirmbrille ist nur so gut wie die Abstände, für die sie gemacht ist. Die Unfallversicherung hält das Messen am Arbeitsplatz deshalb für unbedingt nötig.
- Messen Sie die Abstände von Ihren Augen zu Monitor, Tastatur und Unterlagen, bei mehreren Bildschirmen zu jedem.
- Stellen Sie vorher Stuhl und Monitor ein. Die Oberkante des Bildschirms liegt in Augenhöhe oder etwas darunter.
- Lassen Sie die Werte beim Sehtest genau für diese Abstände messen und nennen Sie Ihre Tätigkeiten.
- Wählen Sie eine Fassung mit ausreichend hohen Gläsern, damit alle Bereiche Platz haben.
- Lassen Sie die Höhe der Bereiche auf Ihren Arbeitsplatz abstimmen.
- Testen Sie die Brille am Arbeitsplatz und melden Sie Probleme früh.
Für die Gläser selbst nennt die Unfallversicherung klare Punkte. Sie sollen entspiegelt und gehärtet sein, weil im Büro viele Lampen spiegeln. Eine Tönung senkt den Kontrast der Schrift und gehört nicht dazu. Einen Blaulichtfilter hält die Unfallversicherung bei üblicher Bildschirmhelligkeit nicht für nötig.
Die Krankenkasse zahlt Gläser für den Arbeitsplatz nicht. Ergibt die arbeitsmedizinische Vorsorge, dass Sie eine eigene Bildschirmbrille brauchen, zahlt sie der Arbeitgeber. Mehr dazu steht im Ratgeber Brille auf Kassenkosten.
Mit der Bildschirmbrille nicht Auto fahren
Eine Bildschirmbrille hat keinen Teil für die Ferne. Für den Alltag und vor allem für den Straßenverkehr ist sie deshalb nicht geeignet. Setzen Sie vor der Heimfahrt die Alltagsbrille auf.
Eine Bildschirmbrille ist auch keine Lesebrille mit anderem Namen. Die Lesebrille ist für 30 bis 40 Zentimeter gemacht, der Bildschirm steht weiter weg. Beugen Sie sich oft zum Bildschirm vor, kann eine Bildschirmbrille helfen. Wie die Lesebrille sich von der Gleitsichtbrille unterscheidet, steht im Ratgeber Lesebrille oder Gleitsichtbrille.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bildschirmbrille und Gleitsichtbrille?
Eine Bildschirmbrille ist für 40 bis 100 Zentimeter gemacht und hat keinen Teil für die Ferne. Eine Gleitsichtbrille deckt alle Entfernungen ab, der Bildschirm liegt bei ihr aber in einem schmalen Bereich. Am Schreibtisch sehen Sie mit der Bildschirmbrille deshalb oft entspannter.
Wer zahlt die Bildschirmbrille?
Eine Bildschirmbrille zahlt der Arbeitgeber, wenn die arbeitsmedizinische Vorsorge ergibt, dass Sie eine brauchen. Die Krankenkasse zahlt Gläser für den Arbeitsplatz nicht.
Darf ich mit der Bildschirmbrille Auto fahren?
Nein, mit der Bildschirmbrille sollten Sie nicht Auto fahren. Sie hat keinen Teil für die Ferne und ist für den Straßenverkehr nicht geeignet.
Brauche ich einen Blaulichtfilter in der Bildschirmbrille?
Einen Blaulichtfilter in der Bildschirmbrille hält die gesetzliche Unfallversicherung bei üblicher Bildschirmhelligkeit nicht für nötig. Wichtiger sind eine Entspiegelung und die richtigen Abstände.
