Was eine Gleitsichtbrille anders macht
Ein Einstärkenglas hat überall dieselbe Stärke und macht eine Entfernung scharf. Ein Gleitsichtglas ändert seine Stärke von oben nach unten ohne Stufe. Oben sehen Sie in die Ferne, in der Mitte auf mittlere Entfernung wie den Bildschirm, unten lesen Sie. Der Unterschied zwischen oben und unten ist die Addition auf Ihrem Brillenpass.
Diese Bauweise hat eine Folge. Links und rechts vom Übergang entstehen unscharfe Ränder. Mit einer Gleitsichtbrille drehen Sie deshalb den Kopf statt der Augen, und der Blick auf eine Treppenstufe ist anfangs ungewohnt.
| Lösung | Für welche Entfernungen | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Lesebrille | nur Nähe, etwa 30 bis 40 Zentimeter | großes, klares Sehfeld | zum Aufblicken absetzen |
| Zwei Brillen | je eine für Ferne und Nähe | jede Entfernung mit vollem Sehfeld | ständiges Wechseln, zwei Fassungen |
| Bildschirmbrille | etwa 40 bis 100 Zentimeter | breites Sehfeld am Schreibtisch | nicht für die Ferne und nicht am Steuer |
| Gleitsichtbrille | Ferne, Mitte und Nähe in einem Glas | eine Brille für den ganzen Tag | unscharfe Ränder, teuerstes Glas |
Was den Preis einer Gleitsichtbrille bestimmt
Eine amtliche Statistik zum Preis von Gleitsichtbrillen gibt es nicht. Belegt sind einzelne Werte. Die Stiftung Warentest hat 2023 bei sechs großen Anbietern eingekauft. Bei Fielmann kostete eine Gleitsichtbrille 435 Euro, eine Einstärkenbrille 260 bis 320 Euro.
Wer zwei Angebote vergleichen will, schaut auf vier Posten. An ihnen hängt jeder Preis:
- Die Art des Glases. Wie breit der Übergang ist und wie weit die unscharfen Ränder zurückgedrängt werden, macht den größten Unterschied. Gläser, die für Ihre Fassung und Kopfhaltung gerechnet werden, kosten mehr.
- Die Dicke. Ein höherer Brechungsindex macht das Glas bei gleicher Stärke dünner. Bei schwachen Werten sieht man das kaum.
- Die Beschichtungen. Entspiegelung, Härtung, Schmutzschutz oder Tönung kommen einzeln aufs Angebot. Keine davon ist Pflicht.
- Die Fassung. Sie verschiebt den Preis oft stärker als jede Beschichtung.
Bei der Fassung liegt der größte Spielraum. Fast jede vierte verkaufte Fassung kostet mehr als 250 Euro, Fassungen bis 50 Euro machen dagegen nur ein Prozent des Umsatzes aus. Wer sparen will, spart an der Fassung, nicht am Glas. Was eine Brille sonst kostet und wer etwas dazugibt, steht im Ratgeber was eine Brille kostet.
Warum der genaue Sitz der Gläser entscheidet
Bei einem Gleitsichtglas muss nicht nur die Mitte vor der Pupille sitzen, sondern auch die Höhe stimmen, auf der der Übergang beginnt. Sitzt er zu hoch, schauen Sie geradeaus schon durch den mittleren Bereich. Sitzt er zu tief, legen Sie zum Lesen den Kopf in den Nacken.
Deshalb misst der Optiker die Gleitsichtbrille an Ihrem Gesicht in der gewählten Fassung. Er misst den Abstand der Pupillen für jedes Auge, die Höhe, die Neigung der Fassung und den Abstand zum Auge. Wechseln Sie die Fassung, ändern sich diese Werte, auch wenn Ihre Sehstärke gleich bleibt.
Im fertigen Glas darf die Mitte höchstens 1 Millimeter vom gemessenen Wert abweichen, zur Seite wie in der Höhe. Dass hier oft etwas schiefgeht, zeigt der Test der Stiftung Warentest von 2023. Kein Anbieter schnitt mit gut ab, und die meisten setzten den Punkt für die Ferne zu tief. Die Testpersonen mussten am Bildschirm den Kopf deutlich heben.
Wie Sie sich an die Gleitsichtbrille gewöhnen
Wie lange die Eingewöhnung dauert, hat keine unabhängige Studie belegt. Sicher ist: Die unscharfen Ränder verschwinden nicht, Sie lernen nur, an ihnen vorbeizuschauen. Deshalb hilft nur, die Brille ständig zu tragen.
- Tragen Sie die neue Brille in den ersten Tagen durchgehend, auch wenn die alte bequemer wirkt.
- Drehen Sie den Kopf statt der Augen, wenn Sie zur Seite schauen.
- Gehen Sie Treppen mit gesenktem Kopf, nicht mit gesenktem Blick, sonst schauen Sie durch den Lesebereich auf die Stufe.
- Notieren Sie, wo es hakt, etwa beim Lesen, am Bildschirm oder beim Autofahren.
- Gehen Sie nach spätestens zwei Wochen zurück zum Optiker, wenn die Beschwerden bleiben, und lassen Sie den Sitz nachmessen.
Drei Dinge erschweren die Umstellung: eine hohe Addition gleich zu Beginn, der Wechsel von zwei Brillen nach vielen Jahren und eine Fassung mit sehr kleinen Gläsern. Wer früh auf Gleitsicht umsteigt, solange die Addition noch niedrig ist, hat es oft leichter. Ob es auch eine einfache Lesebrille tut, klärt der Ratgeber Lesebrille oder Gleitsichtbrille.
Ihre Rechte, wenn die Gleitsichtbrille nicht passt
Zwei Dinge werden im Geschäft oft verwechselt, die gesetzliche Haftung für Mängel und die freiwillige Garantie für die Verträglichkeit. Ein Mangel liegt vor, wenn die Brille nicht so gefertigt ist wie vereinbart. Ein falsch zentriertes Glas oder eines außerhalb der erlaubten Abweichungen ist ein solcher Mangel. Eine ungewohnte, aber richtig gefertigte Gleitsichtbrille ist es nicht.
Bei einem Mangel können Sie Nachbesserung oder neue Gläser verlangen, die Kosten trägt der Optiker. Ihre Ansprüche verjähren zwei Jahre nach der Übergabe der Brille.
Hat der Optiker Gläser und Sitz nachgemessen?
Weichen die Werte vom Rezept oder den erlaubten Grenzen ab?
Das ist ein Mangel. Verlangen Sie Nachbesserung oder neue Gläser auf Kosten des Optikers.
Ohne Mangel gilt nur eine schriftliche Garantie für die Verträglichkeit, wenn Sie eine haben. Fragen Sie sonst, was ein anderes Glas kostet.
Lassen Sie zuerst nachmessen. Ohne Messwerte lässt sich nicht sagen, ob ein Mangel vorliegt.
Eine Garantie für die Verträglichkeit ist freiwillig und steht im Vertrag, nicht im Gesetz. Lassen Sie sich die Frist und den Umfang auf dem Auftrag notieren, bevor Sie unterschreiben.
Gleitsichtbrille online kaufen und Blaulichtfilter
Im Internet gilt meist ein Widerrufsrecht. Viele Anbieter schließen es für Gläser aus, die nach Ihren Werten gefertigt wurden. Lesen Sie deshalb vor der Bestellung die Widerrufsbelehrung. Die Haftung für Mängel gilt online genauso. Wer den Sitz der Gläser aber selbst angibt, trägt das Risiko einer falschen Angabe.
Häufige Fragen
Was kostet eine Gleitsichtbrille?
Eine Gleitsichtbrille kostete im Test der Stiftung Warentest von 2023 bei Fielmann 435 Euro. Eine amtliche Durchschnittszahl gibt es nicht. Den Preis bestimmen Glasart, Dicke, Beschichtungen und vor allem die Fassung.
Wie lange dauert die Eingewöhnung an eine Gleitsichtbrille?
Wie lange die Eingewöhnung an eine Gleitsichtbrille dauert, hat keine unabhängige Studie belegt. Tragen Sie die Brille durchgehend. Bleiben Beschwerden nach zwei Wochen, lassen Sie den Sitz beim Optiker nachmessen.
Was tun, wenn ich mit der neuen Gleitsichtbrille nicht zurechtkomme?
Mit einer neuen Gleitsichtbrille, die nicht passt, gehen Sie zuerst zum Optiker und lassen Gläser und Sitz nachmessen. Ist die Brille falsch gefertigt, ist das ein Mangel, und der Optiker muss nachbessern. Sonst hilft nur eine freiwillige Garantie.
Zahlt die Krankenkasse eine Gleitsichtbrille?
Die Krankenkasse zahlt Erwachsenen eine Gleitsichtbrille nur bei sehr starken Werten, etwa ab 6,25 Dioptrien. Die Alterssichtigkeit allein reicht nicht, und das Gestell zahlen Sie immer selbst.
Lohnt sich ein Blaulichtfilter in der Gleitsichtbrille?
Ein Blaulichtfilter mindert die Belastung der Augen am Bildschirm nach einer Auswertung von 17 Studien wahrscheinlich nicht. Zur Gesundheit der Netzhaut fehlen Daten. Den Aufpreis können Sie sich meist sparen.
