Eine Kinderbrille muss kleiner und stabiler sein
Etwa jedes fünfte Kind bekommt vom Augenarzt eine Brille verschrieben, so der Berufsverband der Augenärzte. Kinder lernen das Sehen in den ersten Lebensjahren. Nur wenn im Auge ein scharfes Bild entsteht, entwickelt sich das Sehen voll. Deshalb muss eine Kinderbrille sitzen, halten und den ganzen Tag getragen werden.
Für die Fassung nennen die Augenärzte klare Regeln. Sie soll klein und stabil sein und nicht breiter als das Gesicht. Die Mitte des Glases gehört vor die Mitte der Pupille. Der obere Rand soll bis zur Augenbraue reichen. Unten soll die Fassung nicht auf der Wange aufliegen, ergänzt das Kuratorium Gutes Sehen.
- Steg. Er soll auf dem noch flachen Nasenrücken gut aufliegen und nicht drücken. Weiche Nasenpads geben zusätzlich Halt.
- Bügel. Flexible Sportbügel stören beim Toben nicht. Bügel, die eng am Kopf anliegen, halten die Brille in Position.
- Material. Für sehr aktive Kinder gibt es Fassungen aus elastischem Titan. Es springt nach dem Verbiegen in seine Form zurück.
- Allergien. Manche Kinder reagieren auf das Material einer Fassung. Achten Sie bei bekannten Allergien darauf.
- Gefallen. Die Brille muss Ihrem Kind gefallen, sonst trägt es sie nicht. Lassen Sie es unter den passenden Fassungen selbst wählen.
Babys brauchen meist eine Sonderanfertigung. Weil ein Baby auch auf der Seite liegt, darf die Fassung seitlich nicht über die Schläfen ragen. Die Bügel werden oft an einem Häubchen befestigt.
Welche Gläser Kinder brauchen und was die Kasse zahlt
Die Gläser einer Kinderbrille sind klein. Ihr Durchmesser liegt nach den Augenärzten meist unter 30 Millimetern. Selbst Gläser aus Glas wiegen dann unter zehn Gramm. Trotzdem raten Augenärzte und Kuratorium zu Kunststoff. Er ist leichter und splittert beim Toben nicht ins Auge.
Die Kasse zahlt normalerweise Gläser aus Mineralglas. Bei Kindern bis zum 14. Geburtstag sind Kunststoffgläser aber immer möglich, egal wie stark. Der Brechungsindex muss dabei unter 1,6 liegen. Er beschreibt, wie stark ein Material das Licht bricht. Je höher er ist, desto dünner wird das Glas.
| Material | Brechungsindex | Gewicht in Gramm je Kubikzentimeter | Kasse für Kinder bis 14 | Schulsportbrille |
|---|---|---|---|---|
| Mineralglas | 1,525 | 2,41 | Standard | nicht geeignet |
| Kunststoff CR 39 | 1,5 | 1,32 | möglich | nicht geeignet |
| Trivex, ein Polyurethan | 1,53 | 1,11 | möglich | geeignet |
| Polycarbonat | 1,59 | 1,20 | möglich | geeignet |
| Kunststoff mit Index 1,6 | 1,6 | 1,30 | erst ab 10 Dioptrien | in der Norm nicht genannt |
Für Veredelungen geben die Augenärzte eigene Hinweise. Eine Entspiegelung ist bei Kindern meist nicht sinnvoll, weil Kunststoffgläser damit leichter brechen. Getönte Gläser brauchen Kinder nur im Hochgebirge oder bei sehr starker Sonne am Meer. Dünnere Gläser halten die Augenärzte für sinnvoll. Die Kasse zahlt sie aber erst ab 10 Dioptrien.
Warum eine Kinderbrille besonders genau sitzen muss
Jedes Glas hat eine Stelle, an der es genau richtig wirkt. Diese Stelle gehört vor die Pupille. Liegt sie daneben, lenkt das Glas das Licht ab. Beide Augen müssen das ausgleichen, damit sie weiter ein Bild sehen.
Bei Kindern nehmen Augenärzte das besonders ernst. Ihr Sehen mit beiden Augen leidet schon, wenn die Brille noch innerhalb der üblichen Toleranzen liegt. Die Augenärzte empfehlen dann den Vermerk Mittenabstand gleich Pupillendistanz auf dem Rezept. Er verlangt, dass die Glasmitten ohne Spielraum vor den Pupillen liegen.
Dazu kommt, dass Kinder wachsen. Bei Kindern ab fünf Jahren kann der Pupillenabstand bei nur etwa 40 Millimetern liegen, bei Erwachsenen im Mittel bei 63. Eine heute gut zentrierte Brille passt deshalb nicht auf Dauer. Das Kuratorium Gutes Sehen rät zur Kontrolle nach 12, spätestens 18 Monaten.
Für den Schulsport braucht Ihr Kind eine geprüfte Sportbrille
Die Alltagsbrille ist für den Schulsport ungeeignet, so die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Bei einem Zusammenstoß oder Balltreffer können Splitter ins Auge geraten. Kinder mit Brille sollten im Schulsport deshalb immer eine Sportbrille tragen.
Seit August 2021 gibt es dafür die Norm DIN 58184. Geprüft wird die fertige Brille mit Gläsern. Ein Hockeyball fällt aus 1 Meter Höhe auf die Brille, das entspricht einem Stoß mit dem Ellbogen. Ein Basketball aus 2 Metern stellt einen Balltreffer ins Gesicht nach. Die Gläser müssen aus bruchfestem Kunststoff wie Polycarbonat bestehen.
Eine geprüfte Brille trägt auf der Fassung die Aufschrift DIN 58184 und SCHULE+SPORT. Die Kasse zahlt Kunststoffgläser für den Schulsport bis zum Ende der Schulpflicht, auch zusätzlich zur Alltagsbrille. Die Fassung zahlen Sie auch hier selbst.
- Die Gläser splittern und brechen nicht und verformen sich nicht.
- Die Brille ist leicht und hat keine scharfen Kanten.
- Die Brille sitzt fest am Kopf, verrutscht nicht und lässt sich an die Kopfform anpassen.
- Die Fassung ist zum Gesicht hin weich gepolstert, und die Nasenauflage passt sich der Nase an.
- Auf der Fassung stehen dauerhaft DIN 58184 und SCHULE+SPORT.
Wie groß die Lücke ist, zeigt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum mit über 1.200 Schulkindern. 25 Prozent brauchten eine Sehhilfe und trieben trotzdem ohne passende Sehhilfe Sport. Von den Kindern mit Alltagsbrille ließ jedes zweite sie beim Sport weg. Welche Sportbrille zu welchem Sport passt, steht im Ratgeber Sportbrille mit Sehstärke.
Wie Sie die erste Brille für Ihr Kind in 6 Schritten bekommen
Der Weg zur ersten Kinderbrille beginnt beim Augenarzt. Für die erste Brille auf Kassenkosten braucht es ein Rezept vom Augenarzt. Er klärt vorher, woher der Sehfehler kommt.
- Lassen Sie die Augen Ihres Kindes beim Augenarzt untersuchen und die Brille verschreiben. Nur mit diesem Rezept zahlt die Kasse die Gläser.
- Suchen Sie einen Optiker, der Kinderbrillen anbietet. Fragen Sie, ob er Vertragspartner Ihrer Kasse ist.
- Wählen Sie die Fassung gemeinsam mit Ihrem Kind aus, klein, stabil, nicht breiter als das Gesicht und mit flexiblen Bügeln.
- Besprechen Sie das Glasmaterial. Kunststoff unter Index 1,6 zahlt die Kasse bis 14 Jahre. Für den Sport sollte es Polycarbonat oder Trivex sein.
- Lassen Sie den Pupillenabstand messen. Fragen Sie, ob auf dem Rezept Mittenabstand gleich Pupillendistanz steht.
- Prüfen Sie bei der Abholung den Sitz, während Ihr Kind nickt und den Kopf schüttelt. Vereinbaren Sie eine Kontrolle nach 12 bis 18 Monaten.
Geht eine Kinderbrille verloren oder kaputt, gelten eigene Regeln. Unter 14 Jahren braucht es für neue Gläser keine Mindeständerung der Stärke. Und innerhalb von drei Monaten nach dem Rezept braucht es für Ersatz kein neues Rezept.
Ist Ihr Kind jünger als 14 Jahre?
Ist das letzte Rezept vom Augenarzt jünger als drei Monate?
Für neue Gläser brauchen Sie kein neues Rezept. Gehen Sie mit dem alten Rezept zum Optiker. Das Gestell zahlen Sie selbst.
Lassen Sie beim Augenarzt ein neues Rezept ausstellen. Bei Kindern unter 14 sehen die Regeln dann eine neue ärztliche Prüfung vor.
Ab 14 gilt für eine neue Brille die Regel von mindestens 0,5 Dioptrien Änderung. Ersatz nach Verlust oder Bruch ist davon ausgenommen. Klären Sie vor dem Kauf mit Ihrer Kasse, was sie übernimmt.
Damit Ihr Kind die Brille auch trägt
Eine Brille wirkt nur, wenn Ihr Kind sie trägt. Die Augenärzte betonen, wie kurz die Zeit ist, in der Kinder das Sehen lernen. Nach ihrem Berufsverband müssen Fehlsichtigkeiten spätestens bis zum dritten Lebensjahr mit einer Brille ausgeglichen werden. Sonst drohen bleibende Einbußen beim Sehen.
Setzt Ihr Kind die Brille ab, gibt es meist einen von vier Gründen. Sie drückt, rutscht, gefällt nicht oder stört beim Spielen. Gegen Drücken und Rutschen hilft das Nachrichten beim Optiker. Gegen das Nichtgefallen hilft Mitsprache bei der Auswahl. Beim Spielen hilft eine zweite Brille für den Sport.
Setzt Ihr Kind die Brille trotzdem immer wieder ab, sprechen Sie mit der Augenärztin oder dem Augenarzt. Das gilt auch, wenn es mit der Brille über Kopfschmerzen oder Doppelbilder klagt.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann ein Kind eine Brille tragen?
Ein Kind kann schon im ersten Lebensjahr eine Brille tragen, wenn es eine braucht. Babybrillen sind meist Sonderanfertigungen. Nach den Augenärzten müssen Fehlsichtigkeiten spätestens bis zum dritten Lebensjahr ausgeglichen werden.
Zahlt die Krankenkasse eine Schulsportbrille?
Die Krankenkasse zahlt für eine Schulsportbrille die Kunststoffgläser, bis zum Ende der Schulpflicht und auch zusätzlich zur Alltagsbrille. Die Fassung zahlt sie nicht. Achten Sie auf die Aufschrift DIN 58184 und SCHULE+SPORT.
Wie oft muss eine Kinderbrille kontrolliert werden?
Das Kuratorium Gutes Sehen rät, Sitz und Stärke nach 12, spätestens 18 Monaten zu prüfen, weil Kinder wachsen. Den Sitz richtet der Optiker jederzeit nach. Für neue Kassengläser braucht ein Kind unter 14 meist ein neues Rezept vom Augenarzt.
Welche Brillengläser sind für Kinder bruchfest?
Bruchfest sind Gläser aus Polycarbonat und aus Trivex. Die Norm für Schulsportbrillen verlangt solche Materialien. Mineralglas und der einfache Kunststoff CR 39 gelten dort als nicht geeignet.
Was tun, wenn die Brille meines Kindes kaputt ist?
Ist Ihr Kind unter 14 und das Rezept jünger als drei Monate, brauchen Sie für neue Gläser kein neues Rezept. Sonst lassen Sie ein neues ausstellen. Das Gestell zahlen Sie in jedem Fall selbst.
