Anpassen heißt Fassung richten und Gläser ausrichten
Eine Brille ist gut angepasst, wenn Sie sie den ganzen Tag ohne Beschwerden tragen. Dafür sind zwei Arbeiten nötig. Erst muss die Fassung an Nase, Ohren und Schläfen sitzen. Dann müssen die Gläser richtig vor den Augen liegen.
Die Reihenfolge ist wichtig. Der Optiker misst die Lage der Gläser erst, wenn die Fassung sitzt. Misst er an einer schiefen Fassung, stimmen die Werte nach dem Richten nicht mehr.
- Nase. Steg oder Nasenpads sollen flächig aufliegen. So verteilt sich das Gewicht, und es entstehen keine Druckstellen.
- Ohren. Die Bügel werden an Kopf und Ohr angepasst. Die Brille soll halten, ohne hinter dem Ohr zu drücken.
- Neigung. Die Gläser stehen unten etwas näher am Gesicht. Dieser Winkel bestimmt mit, wie das Glas beim Blick nach unten wirkt.
- Abstand zum Auge. Bei Gläsern über 5 Dioptrien gehört er nach der Empfehlung der Augenärzte auf das Rezept.
- Lage der Glasmitten. Der Optiker misst für jedes Auge den Abstand der Pupille zur Nasenmitte. Bei Gleitsichtgläsern kommt die Höhe dazu.
Warum schon 1 Millimeter bei starken Gläsern stört
Ein Brillenglas wirkt nur an einer Stelle genau richtig. Liegt diese Stelle neben der Pupille, lenkt das Glas das Licht zusätzlich ab. Sie sehen den Gegenstand dann ein Stück verschoben.
Wie stark, lässt sich einfach rechnen. Der Versatz in Zentimetern mal die Stärke in Dioptrien ergibt die Ablenkung. Gemessen wird sie in Zentimetern pro Meter. Bei 1 Zentimeter pro Meter erscheint ein Gegenstand in 1 Meter Entfernung um 1 Zentimeter verschoben.
Beide Augen müssen die verschobenen Bilder wieder zu einem Bild zusammenführen. Zur Nase hin gelingt das leicht, nach außen und in der Höhe schwerer. Deshalb stört ein Glas, das höher sitzt als das andere, am meisten. Müde Augen und Kopfschmerzen können die Folge sein.
Die Tabelle zeigt, was 1 Millimeter Höhenunterschied bei 1, 2, 4 und 6 Dioptrien bewirkt. Bei 4 Dioptrien sind es 0,4 Zentimeter pro Meter, erlaubt sind 0,5.
| Stärke beider Gläser | Ablenkung bei 1 Millimeter Höhenunterschied | Grenze für die fertige Brille |
|---|---|---|
| 1 Dioptrie | 0,1 Zentimeter pro Meter | 0,5, eingehalten |
| 2 Dioptrien | 0,2 Zentimeter pro Meter | 0,5, eingehalten |
| 4 Dioptrien | 0,4 Zentimeter pro Meter | 0,5, knapp eingehalten |
| 6 Dioptrien | 0,6 Zentimeter pro Meter | über 5 Dioptrien zählt 1 Millimeter Versatz, also genau an der Grenze |
Bei schwachen Gläsern verzeiht die Brille also kleine Fehler. Bei starken Gläsern nicht. Welche Maße eine Fassung hat und warum sie zu Ihren Augen passen sollte, erklärt der Ratgeber Brillengröße.
Wie eine neue Brille in 4 Schritten angepasst wird
Eine neue Brille wandert zwischen zwei Orten hin und her, dem Anpassplatz im Laden und der Werkstatt. Am Ende steht die Übergabe an Sie.
Fassung vorab anpassen
Am Anpassplatz biegt der Optiker Steg, Nasenpads und Bügel. Danach sitzt die Fassung ohne Gläser gerade und fest.
Werte messen
In der sitzenden Fassung misst er den Abstand jeder Pupille zur Nasenmitte. Bei Gleitsichtgläsern kommt die Höhe dazu, bei starken Gläsern der Abstand zum Auge.
Gläser einarbeiten
In der Werkstatt werden die Gläser nach diesen Werten angezeichnet, geschliffen und eingesetzt. Danach misst die Werkstatt Stärke und Lage nach.
Brille übergeben
Bei der Abholung richtet der Optiker die fertige Brille an Ihrem Kopf aus. Danach prüfen Sie Sitz und Sehen selbst.
Dass gerade hier oft etwas schiefgeht, zeigt der Test der Stiftung Warentest von 2023. Getestet wurden die sechs größten Optikerketten. Beim Anpassen der Fassungen haperte es bei allen. Eine schlecht angepasste Fassung kann die Lage der Gläser verfälschen.
- Stellen Sie sich gerade vor einen Spiegel. Beide Glasränder sollen gleich hoch vor den Augen stehen.
- Nicken Sie und drehen Sie den Kopf. Die Brille soll nicht rutschen und hinter dem Ohr nicht drücken.
- Lesen Sie einen Text in gewohntem Abstand und schauen Sie dann in die Ferne. Mit Gleitsichtgläsern sollen Sie zum Lesen den Kopf nicht in den Nacken legen müssen.
- Fragen Sie, ob Stärke und Lage der Gläser nachgemessen wurden. Lassen Sie sich den Pupillenabstand für jedes Auge notieren.
- Vereinbaren Sie, dass Sie zum Nachrichten wiederkommen können, wenn die Brille nach ein paar Tagen drückt.
Was das Richten einer Brille kostet
Für das Richten einer Brille gibt es keine amtliche Gebühr. Jeder Optiker legt seinen Preis selbst fest. Eine Statistik über diese Preise gibt es nicht.
Zwei Regeln helfen Ihnen trotzdem. Der Betrieb muss eine Preisliste seiner wichtigsten Leistungen im Laden aushängen oder bereithalten. Und wenn kein Preis vereinbart ist, schulden Sie den üblichen Preis für diese Arbeit.
Anders ist es bei einer Brille, die Sie gerade gekauft haben. Sitzt sie von Anfang an schief oder liegt ein Glas falsch, hat die Brille einen Mangel. Dann muss der Verkäufer auf seine Kosten nachbessern.
Wer haftet, wenn eine fremde Fassung beim Richten bricht
Ob ein Optiker eine Brille aus einem anderen Geschäft richtet, entscheidet er selbst. Tut er es, schließen Sie mit ihm einen Werkvertrag. Für diese Arbeit steht er ein wie für jede andere.
Stimmt das Ergebnis nicht, können Sie Nachbesserung verlangen. Dafür haben Sie zwei Jahre Zeit, gerechnet ab dem Tag, an dem Sie die Brille abholen.
Bricht die Fassung beim Richten, kommt es auf die Sorgfalt an. Hat der Optiker fahrlässig gearbeitet, haftet er. Manche Betriebe lassen vorher ein Formular unterschreiben, nach dem sie für Bruch nicht haften. Bei grober Fahrlässigkeit oder Absicht ist ein solcher vorgedruckter Ausschluss unwirksam.
| Lage | Was gilt |
|---|---|
| Neue Brille sitzt von Anfang an schief | Mangel, der Verkäufer bessert auf seine Kosten nach, Frist 2 Jahre ab Übergabe |
| Vorhandene Brille wird gerichtet | Werkvertrag, Preis wie vereinbart oder wie üblich, Frist für Mängel 2 Jahre ab Abholung |
| Mitgebrachte Fassung bricht beim Richten | Der Optiker haftet bei Fahrlässigkeit. Ein Formular schließt grobe Fahrlässigkeit nicht aus. |
Hat der Optiker beim Richten nicht sorgfältig gearbeitet?
Haben Sie vorher ein Formular unterschrieben, das die Haftung für Bruch ausschließt?
Bei grober Fahrlässigkeit oder Absicht gilt dieser Ausschluss nicht, der Optiker haftet. Bei leichter Fahrlässigkeit hängt es vom Einzelfall ab.
Der Optiker haftet für den Schaden. Lassen Sie sich den Vorfall schriftlich bestätigen.
Bricht eine Fassung trotz sorgfältiger Arbeit, trifft niemanden eine Schuld. Den Schaden tragen Sie dann selbst. Fragen Sie, ob der Optiker aus Kulanz hilft.
Wann Sie Ihre Brille nachrichten lassen sollten
Ein festes Intervall für das Nachrichten gibt es nicht. Den Anlass merken Sie meist selbst.
- Die Brille drückt auf der Nase oder hinter dem Ohr, oder sie hinterlässt rote Stellen.
- Die Brille rutscht beim Bücken oder Nicken nach vorn.
- Ein Glas steht im Spiegel höher als das andere, etwa nach einem Sturz.
- Mit der neuen Gleitsichtbrille müssen Sie zum Lesen den Kopf deutlich heben oder senken.
- Bei Kindern rät das Kuratorium Gutes Sehen, den Sitz nach 12, spätestens 18 Monaten prüfen zu lassen.
Bei Gleitsichtgläsern zählt die Höhe besonders. Rutscht die Brille nach unten, liegt der Bereich zum Lesen zu tief. Bei Beschwerden prüft ein guter Optiker deshalb zuerst den Sitz, bevor er über andere Gläser spricht. Mehr dazu steht im Ratgeber Gleitsichtbrille.
Häufige Fragen
Was kostet es, eine Brille beim Optiker richten zu lassen?
Für das Richten einer Brille gibt es keine feste Gebühr. Jeder Optiker legt den Preis selbst fest und muss eine Preisliste bereithalten. Ist kein Preis vereinbart, schulden Sie den üblichen Preis. Fragen Sie deshalb vorher.
Passt ein Optiker auch eine woanders gekaufte Brille an?
Viele Optiker richten auch Brillen aus anderen Geschäften. Ob sie es tun, entscheiden sie selbst. Klären Sie vorher den Preis und wer haftet, wenn die Fassung bricht. Für Mängel an der Arbeit haben Sie zwei Jahre Zeit.
Wer haftet, wenn meine Fassung beim Richten bricht?
Hat der Optiker fahrlässig gearbeitet, haftet er für den Schaden. Ein vorgedruckter Haftungsausschluss gilt bei grober Fahrlässigkeit nicht. Bricht die Fassung trotz sorgfältiger Arbeit, tragen Sie den Schaden selbst.
Warum bekomme ich von einer verbogenen Brille Kopfschmerzen?
Eine verbogene Brille verschiebt die Gläser. Ein Glas, das nicht vor der Pupille sitzt, lenkt das Licht ab, und das wächst mit der Stärke. Beide Augen müssen das ausgleichen, in der Höhe am schwersten. Das strengt an.
Was misst der Optiker beim Anpassen einer Brille?
Der Optiker misst in der sitzenden Fassung den Abstand jeder Pupille zur Nasenmitte. Bei Gleitsichtgläsern misst er auch die Höhe, bei starken Gläsern den Abstand zum Auge. Dazu stellt er Steg, Bügel und Neigung der Gläser ein.
